Projekt: Ab-Ort, 2013

Kunst am Bau Wettbewerb Zeughaus Kulturzentrum, Sion, CH

Ein zukünftige Wissens-Zentrum entsteht in Sion dank Fusion von Mediathek, Bibliothek und von verschiedenen Archiven. Dieses Depot von Dokumenten - Bücher, Bilder, Filme, Wertschriften, Informationen – erlaubt geordneten Einblick in Geschichten. Aus meiner Perspektive erzählt dieser Ort auch von der Sehnsucht der Archivaren, eine Epoche in all ihren Facetten und Details wiederspiegeln zu können, so als ob man eine Karte im 1:1 zu erstellen versuchte .

Die zwei Zeughäuser in ihrer ursprünglichen Funktion und das zukünftige Wissens-Zentrum haben etwas gemeinsam: als Orte der Begegnung, erlauben sie Ausgabe von Dingen auf Zeit. Vielleicht bleibt in beiden Fällen auch etwas im Raum, was nicht erhältlich ist: ein Restbestand aus Träumen aus noch nicht realisierten, noch nicht Sachen-gewordenen Phantasien. Und dies, denke ich, ist Motor unserer gemeinsamen Sehnsucht, weiter dokumentieren und sammeln zu wollen.

Laut Kant ist die Sehnsucht ein „leerer Wunsch“. Dieser „leere Wunsch“, sei die Zeit, zwischen dem Begehren und Erwerben des Begehrten. Ist es nicht viel mehr ein sich entleerender Wunsch? Der Raum zwischen Begehren und Erwerben ist doch fluid, und mit Erwerben kommt man eigentlich erst zu einem fixen Punkt .

Projetidee: „Ab-Ort“, Archiv der sich entleerenden Wünsche.

Das ehemalige Latrinenhaus befindet sich zwischen den beiden Zeughäusern vis à vis der zukünftigen Caféteria. Bestandteil des Zeughauskomplexes und unter Denkmalschutz gesetzt, sitzt es eigentlich schon mit einer für mich klaren Aufgabe da: der Innenraum soll in ein „Archiv der sich entleerenden Wünsche“ verwandelt werden: eine Frauen und eine Herren-Toilette. Die Fassade bleibt unangetastet. Dieses „Ab-Ort“ soll innen umgebaut werden: ausgestattet mit sorgfältig ausgesuchten Design Elementen, ein spiegelblank tiefblau gemalter Boden, und die Wände tapeziert mit Zeichnungen aus meinem intimen Archiv von imaginären und fiktiven Geschichten.

Meine Zeichnungen erzählen von „ nicht archivwürdigen kleinen Geschichten, die irgendwo zwischen Realität und Imagination schweben, und meine verschiedenen Sehnsüchte von Noch-Nicht, oder Schon-Nicht Mehr Momenten abbilden. An diesem Ort , dem Zwischen Ort, dem Ab-Ort, versuche ich, Möglichkeiten der poetischen Subversion aufzuzeichnen. Das Zusammenfügen gezeichneter Geschichten auf Tapetenraster lässt im Gesamtblick neue Geschichten entstehen. Es ermöglicht dem Betrachter das Erfinden von eigenen Interpretationen.

Die einzelne Zeichnung kommt in Dialog mit den weiteren umgebenden Zeichnungen, was dem Betrachter erlaubt, eine Meta-Geschichte zu bauen – eine Geschichte, die von verschiedensten Intuitionen gefärbt sein kann : es soll nicht archiviert, nicht katalogisiert werden, sondern vermischt und in freien Assoziationen fabuliert werden.

Für unzählige gestresste und geschäftige Menschen bedeutet der Augenblick auf dem WC eine Möglichkeit des Rückzugs aus dem hektischen Alltag. Viele geben freimütig zu, dass gute Ideen, wichtige Einsichten und Einblicke grad in diesem Augenblick entstanden. Mein Ab-Ort Projekt soll dies würdigen.

Projektbeschreib

Das Haus wird in zwei quadratische Räume umgebaut und mit sorgfältig auserlesenen Design-Objekten ausgestattet. Das edle Ei förmige „Alessi –One“ Tiefspül WC in schwarz ist das einzige Objekt im Raum. Die mit Zeichnungen tapezierten Wände spiegeln sich in dem in dem Boden und der Decke, die in tieflauem Kunstharz gegossen sind. Diese wenige Elemente sollen dem Raum den Charakter eines Orts der meditativen Ruhe, einer ästhetischen Klarheit geben. Ein schmaler Gang führt von einen zum anderen Raum und ist in der Mitte mit einer Sicherheitsglasscheibe getrennt. Zwei sich gegenüber stehende schwarze Duravit Alape WT Lavabos dienen den WC –Benutzern zum Hände waschen und als gegenseitigen Zufall-Begegnungsort. Ein schmaler Led-Lichtstab, der flach auf dem Fenstersims installiert ist, beleuchtet abends beim Benutzen einer Toilette beide Räume gleichzeitig. Das Haus, das innen geometrisch präzis in zwei gleiche Raumelemente geteilt ist, soll dank diesen Eingriffen ein öffentliches Kunst Objekt werden.