Projekt: Ambiguë, 2013

Kunst am Bau Wettbewerb auf Einladung, neues Schulgebäude CO-Goubing, Sierre

Einleitung / Structure scolaire

Die Orientierungsschule Goubing wird von 12- bis 15-jährigen Jugendlichen besucht. Für den deutsch- und den französischsprachigen Unterricht steht je ein Gebäudetrakt zur Verfügung. Verbindend zwischen dem nun neu gebauten Schulhausteil für die deutschsprachigen Schüler und dem bereits bestehenden Schulhausteil, wurde auch eine Aula/Turnhalle errichtet. Der so dreiseitig begrenzte, Pausenplatz besteht aus zwei Ebenen, die in der Mitte durch vier langgezogene Stufen verbunden sind, bedeckt und beschattet von einem dreieckigen Betonflachdach, das auf Metallpfeilern ruht.

Ausgangspunkt und thematisches Schwergewicht meines Projekt sind der institutionelle Kontext und die Benutzer.

Institutioneller Rahmen: In Goubing sind wir mit institutionellen Schranken in Bezug auf die Mehrsprachigkeit konfrontiert: fliessende Übergänge von der einen Sprache zur anderen scheinen im Lernalltag unmöglich, werden aber wohl auf dem Pausenplatz Realität.

Benutzer: Die Schüler befinden sich in der Pubertät, in einer Lebensphase, die mit viel Unstabilität und Unsicherheit – mit Ambivalenzen aller Art – einhergeht. „ Ambivalenz“, so schrieb der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler bereits 1910, „ist ein Nebeneinander von gegensätzlichen Gefühlen, Gedanken und Verhaltensweisen.“ Die Schule ist für die Schüler in diesem Alter nicht nur ein Lernort , sondern auch ein Treffpunkt, wo Allianzen und Freundschaften gebildet und verworfen werden, wofür der Pausenplatz von zentraler Bedeutung ist.

Mit meiner schleifenförmigen Skulptur will ich auf dem Pausenplatz einen Bühnenraum schaffen, der die mannigfaltigsten Formen von Begegnungen zwischen der Schülerschaft erlaubt und begünstigt, und der auch im Kontext von Freilichtanlässen (Theater und Musik) als visuelle und sonore Supportstruktur benutzt werden kann.

Projektidee

Konzeptueller Einstieg

Meine geplante, 30 Meter lange Skulptur – eine Möbiusschleife – wird den Pausenplatz neu organisieren. Ihre Oberfläche ist beidseitig mit einem grünen Tartanüberzug verkleidet, farblich und materialmässig entsprechend den Spieloberflächen in Sportarealen. Die Skulptur besitzt visuelle Eigenständigkeit und ästhetische Präsenz und setzt sich in Dialog mit den architektonischen Elementen und der umgebenden Topografie. Sichtbar aus der Perspektive der meisten Schulzimmer und auch von der begehbaren Aula-Dachfläche aus , wird sie in ihrer Struktur und Farbe den rechteckigen Pausenraum aufbrechen und die grauen Flächen des Platzes und des Betondachs beleben.

Zum Möbiusband

Das Möbiusband ist eine zweidimensionale Struktur in der Topologie, die nur eine Kante und eine Fläche besitzt. Sie ist nicht orientierbar, das heisst, man kann nicht zwischen unten und oben oder zwischen innen und aussen unterscheiden. Sie verkörpert diese absurde Möglichkeit von simultaner Zweiseitigkeit und ist eine Abstraktion der Vorstellung von „Nähe“.

Die Skulptur soll Schüler- und Lehrerschaft vielgestaltige Möglichkeiten der Interaktion eröffnen. In einigen senkrechten Abschnitten ist sie 1,6 Meter hoch, und dann, in den horizontalen Teilen in Bodennähe,zwischen 30-und 50cm, windet sie sich wie eine Schlange durch den Platz und erlaubt verschiedenste Benutzungen: sie ist Sitz-, Liege- oder Anlehnfläche, und sie bietet in den beiden Schlaufen Nischenräume für Austausch und Dialog. Zudem wird sie auch Anlass und Support für Spiel und Bewegung sein.

Die Skulptur soll von den Jugendlichen auf ihre Art „belebt“ werden. Für ausgewählte Anlässe im Freien wird sie den Bühnenraum begrenzen – die Stufen werden zu Tribünenplätzen, und die senkrechten Flächen der Skulptur werden das Spielgeschehen rahmen.

«L’ambiguität» , ein Wechselspiel zwischen Unendlichkeits und Wiederholungsprinzip