Objets Cultes, 2009

Objekte, Mixed Media

Als Künstlerin beschäftigt sich Maria Ceppi seit Jahren mit der Poesie des Alltäglichen, die in den unscheinbarsten Gegenständen schlummert. Helden ihrer Geschichten sind Alltagsobjekte, die zusammengesetzt, aneinandergekoppelt zu charakteristischen Kunstobjekten werden. Sie sind nutzlos, «entnutzt», jedoch bezüglich ihrer Herkunft noch lesbar und so weit verfremdet, dass wir ihnen eine Eigenständigkeit als Skulpturen ohne Zögern zugestehen. «Les objets cultes» sollen als Trüppchen von «Seldwylern» der Flut von Nutzgegenständen die Stirne bieten, so dass wir uns für einen Augenblick fragen, wieso uns deren Effizienz so blind macht für ihre Originalität. «Ver-rückt» sind diese Objekte dank Maria Ceppis Eingriffen und besitzen die poetische Kraft, die sich auf die Tradition der Surrealisten beruft.

Sie nehme nur das zweitbeste Wort, sagt Ilse Aichinger in ihrem Prosastück «Schlechte Wörter». Mit derselben Sorgfalt scheint sich Maria Ceppi dem Zweitbesten widmen zu wollen – nicht erschreckt vom Besten, sondern wohl wissend, dass in dieser Zweitwahl das poetische Potential der Idiosynkrasie erst möglich wird. In der Serie wird sichtbar: es handelt sich um ein Syntaxsystem, das erfahrbar wird durch das vergleichende Hin- und Herschauen vom einen Kunstwerk zum anderen. Die Berechtigung eines Objekts auch allein zu bestehen, überprüfte sie in einem längeren Prozess, wobei für sie als ästhetische Prinzipien die Form, das visuelle Erzählpotential und die Dialogfähigkeit in Bezug zu einer Objektgruppe galten.

Maria Ceppi möchte den Schritt von der Skizze zum öffentlich gezeigten Kunstwerk in einer nachvollziehbaren Art darstellen, und lässt uns deshalb diese Objekte nicht direkt, sondern aus der Distanz eines photographischen Abbildes «ent-rückt» entdecken. Eine Porträtgalerie, möchte man sagen, in der jedes Werk in Szene gesetzt ist. Die Objekte sind nun doppelt dem Alltag entrissen: ohne Umfeld und ohne Massstab. Die Besucher, die diese abgelichteten Kunstwerke nicht in der Hand halten können, vermuten vielleicht, sie wären nur digitale Chimären. Schattenlos aufgenommen, bleiben sie unfassbar. Thomas Andenmatten photographierte sie nach Anleitung von Maria Ceppi in detailgetreuer Präzision und machte so jedes Objekt zur Diva – entrückt, unantastbar und sinnlich verführerisch schön.

Die zwölf Photographien laden die Betrachtenden ein, Oberflächen, Linien, Formen, Farben als Kompositionsprinzipien zu erfahren sowie deren Geschichte und Vor-geschichte auszuloten. Vom Objekt zum Kult – Maria Ceppi’s «Objets cultes»

GPf, Sierre 23.März 09