Tourbillon de la Vie, 2014

Installation, Mixed Media Triennale d’Art Contemporain/Zeitgenössische Kunst Valais/Wallis 2014, Centre d’expositions, Musées d’Art, Sion; CH

Ausländer auf allen Balkonen: Geranium (Pelargonium zonale): Die in Mitteleuropa als Balkonpflanzen kultivierten Pelargonien sind Hybride verschiedener Wildarten aus dem Kapland (der Capensis) Südafrikas und der Insel Sankt Helena (wohin 1815 Napoleon verbannt wurde). Die „Pelargonium zonale“ besiedelt eine Vielzahl von Lebensräumen und Gewässerrändern, genausowie die trockene Namib-Wüste, felsige Berggipfel ebenso wie Küstendünen. Sie ist sukkulent und hat ober- oder unterirdische Organe zur Wasserspeicherung. Ihr penetranter Duft schreckt die Insekten ab. Früher stellten die Leute Geranien vor das Haus zum Schutz gegen Ungeziefer, Dämonen und schlechte Energie. Wie es dazu kam, dass wir heute vor allem im Alpenraum auf unseren Balkonen diese eingebürgerte, einst wilde Pflanze ziehen, hat vielleicht damit zu tun, dass wir uns immer noch vor genau alldem schützen wollen. Ob die gutbürgerliche Geranienordnung auf den Schweizer Balkonen wohl eine heimliche Angst vor Dämonen ausdrückt oder einfach den Komfort des heilen Schweizer Heims demonstriert?

Dürrenmatt nennt uns Schweizer permanente Pendler zwischen den Rollen als freie Bürger, Gefängniswärter und Gefangene, die sich selbst beobachten. Von diesen irren und wirren Wegen in die Gefangenschaft und zurück zur Freiheit, davon handelt mein Projekt „Tourbillon de la Vie”. An einem Ort, der dies alles schon erlebt hat: Das alte Gefängnis von Sion, das Ancien Pénitencier, wurde zum Museum umgewandelt. Eine Art Weg in die Halb-Freiheit? Oder in neue Zwänge?

Zum Thema Gefängnis/Nachbarschaft entsteht die erste Multi Media Installation, welche eine Verbindung von Aussen nach Innen, von den Aussenmauern des Gefängnishofs zum Gefängnisgebäude bilden soll. Im ehemaligen Gefängnishof werden die Geranientöpfe in strammen Linien platziert, die strahlenförmig auf die Mauer des Gebäudes zulaufen, auf einen zentralen Punkt des Empfangshäuschen zu. In dieser Anordnung wiederholen sie das Raster der Gitterstrukturen vor den Gefängnisfenstern. Die Installation „Tourbillon de la Vie“ definiert Zeit und Raum des alten Gefängnisses, „Ancien Pénitencier“ neu. Die Installation bietet eine räumliche Brücke, die durch die Geranien verkörpert wird. Sie „domestizieren“ Hof und Gebäude und ermöglichen dem Betrachter ein Überschreiten fixer Strukturen.