Projet: Mobilhome, 2012

Kunst am Bau. Wettbewerb Berufsfachschule Oberwallis

Ausgangslage

Die Architektur der Sporthallengebäude Visp/Brig sind beide in ihrer klaren Struktur gegeben.

Bei der Besichtigung der Baustellen drängte sich mir sofort die Idee auf, ein Konzept für beide Berufsschulen Oberwallis zu entwickeln, welches als Ergänzung und Bereicherung im Schulsportalltag der Berufsstudierenden seinen Platz findet.

Schulsportstruktur

In den letzten Jahren wurde der traditionelle Turnunterricht bereits etwas mit « Sampling » oder re-mixed der bereits existierenden Sportprogramme aus ihrem angestammten Kontext herausgelöst und neu konzipiert. Auch wurden Strukturen bestimmter Trendsportarten wie z. B.« Parkurs »in den Gerätepark eingebunden.

Die Trendsportforschung zeigt,dass Trendsportarten zur Kennzeichnung von neuartigen bez. Lifestylegerechten aufbereiteten Bewegungspraktiken und zur Gradwanderung zwischen HIP und Hype werden.

Der Deutsche Sportwissenschaftler Jürgen Schwier kommt zur Annahme, dass kulturelle Phänomene im digitalen Medienzeitalter wesentlich durch die Interaktionen zwischen den Nutzern (als handelnde Akteure) und der globalen Kulturintustrie entfaltet werden.

Sport und Spiel

Der Begriff « Sport » wird in vielfältiger Weise verwendet. Es wird von « Sporteln » gesprochen, vom Schulsport oder von einer Freizeitbeschäftigung. Sport ist eine körperliche Ertüchtigung, die häufig im Rahmen eines Spiels stattfindet. Das Spiel erlaubt uns, real schwierige Situationen zu überwältigen.

Projektidee

« Mobile-Play » ist ein mobiles Depot, in dem verschiedene trendige und neu kreierte Sportspiele gelagert und archiviert werden. Es ist ein Ergänzungsmodul, welches die Schulsportturnstunden bereichert und neue Mobilität in den festen Strukturen erweckt. Dazu bietet es spielerische und kreative Möglichkeiten, die Spielflächenstruktur innovativ zu erweitern und auszubauen.Die Sportspiele enthalten Spielanweisungen, Instrumente und Geräte, die dann irgendwann mal archivisch erfasst werden und einen Einblick in neue Spieltraditionen geben.

Das « Mobile-Play » wird von einem Projektmanager/in verwaltet.

Mandat

Projektmanager/in

Die Oberwalliser Berufsfachschule schreibt ein Mandat als Projektmanager/in aus.

Die Aufgabe der Projektmanager/in besteht darin, die Koordination des « Mobile-Play »in den Sportunterricht und den Zeitplan beider Sporthallen Visp/Brig zu gewährleisten und den Aufbau eines nachhaltigen Archivs zu realisieren. Weiter verpflichtet sich diese Person,weitere neue Spiele mit Gastkünstlern und Studierenden/Sportlehrpersonen zu realisieren. (Zur Optimierung des « Mobile-Play » erstreckt sich dieses 1.Mandats über eine Zeitdauer von 2 Jahren).

« Mobile-Play » Bus

Der « Mobile-Play » Bus zirkuliert zwischen den beiden Sporthallen Visp und Brig und wird von der Projektmaganer/in betreut und verwaltet. Das « Mobile-Play » kann auch als « Spiel-Element » zur Teambuilding im Schulmanagement und Strategischen Schulung zum Einsatz kommen.

Realisation

In keinem anderen Lebensbereich wird die Bedeutung von Regeln so deutlich erkennbar wie im Sport. Der Umgang mit Regeln zeigt eindrücklich, was solche Regeln bewirken und wie sich das Einhalten oder nicht Einhalten auf das Spiel auswirken.

Der Sport zeigt uns,dass ein Spiel ohne Regeln völlig verkommt, jeglichen Reiz verliert und sich auflöst.

Aus der Sicht als Kunstschaffende hinterfrage ich bestehende Spiele und kreiere neue Spielinstrumente die aus Elemente verschiedener Sport und Spielgeräte zusammengesetzt. Sie dienen als Möglichkeiten der Denkmobilität und künstlerischen Innovation für neue Spiele. Diese Spiele werden einerseits in Zusammenarbeit mit dem Sportlehrpersonal,einem Sportpädagogen und den Berufsstudierenden entwickelt und anderseits mit verschiedenen Kunstschaffenden realisiert.

Dazu lade ich « Gastkünstler » ein, die verschiedendlich auf Spiele reagieren und je ein Spiel mit bestimmten Regeln entwickeln,nach ihrer Art und Kunstrichtung und in Zusammenhang mit meinen Turn-und-Spielinstrumenten.

Als erste « Gastkünstlerin » wird exemplarisch Margarete Jahrmann eingeladen. Die Künstlerin ist erfahren in der Entwicklung urbaner Spiele,unterrichtet an der Schule für Gestaltung Zürich Game Design und hat unter Anderem die Auszeichnung Prix Ars Electronica für eine künstlerische Spielinstallation erhalten. ( HYPERLINK "http://www.konsum.net" www.konsum.net)

Jahrmanns Teilprojekt besteht darin, ein « Art-Game » für Mobiltelefone zu entwerfen. Diese App kann für weitere Gastkünstler nachhaltig verwendet und erweitert werden.

Die eingeladenen Kunstschaffenden haben alle einen Bezug zum Wallis. Auch die Basis der Spiele beziehen sich auf verschiedene Geschichten aus dem Wallis und können beliebig verwertet und eingebunden werden. Das können historische Ereignisse, Walliser Sagen,Anektoden oder sonst Geschichten sein.


Visuals

Zusammen als Team erforschen wir Fragen des Spiels, hinterfragen Spieltheorien und entwickeln neue Strukturen mit spielerischen und kreativen Möglichkeiten. Diese Kriterien und Eigenschaften werden in Kategorien eingeteilt und den verschiedenen « Visuals » zugeortnet. Sie dienen einerseits in digitaler Form als « Archiv-Datei » und wachsen andererseits in Form von Metallplatten (15x15cm) installativ in und an den Sporthallen zum Gebilde eines « kollektiven Kunstwerks ».

« Es gibt Momente, in denen durch ein Spiel etwas « Wahres » oder « Bleibendes » ans Licht kommt, wo Erkenntnis möglich wird. Dieses «Bleibende » nennt Gadamer in seiner Hermeneutik ein Gebilde. Es ist, so wie die Metapher, dadurch gerechtfertigt, dass es nur genau so, wie es ist, sein, und nicht anders beschrieben werden kann. »

Das Spiel und seine Eigenschaften

Nach dem Niederländischen Kulturhistoriker Johan Huizinga, gibt es 4 Hauptkennzeichen des Spiels :

Das Spiel ist frei, es ist Freiheit.

Spiel ist nicht das gewöhnliche Leben, sondern etwas Besonderes, Abgeschlossenheit und Begrenztheit. Es spielt sich innerhalb bestimmter Grenzen von Zeit und Raum ab. Es hat seinen Verlauf und seinen Sinn in sich selbst.

- Wiederholbarkeit, Ordnung, Spannung.

Spiele tendieren dazu, institutionalisiert zu werden, sie rufen Strukturen ins Leben. Die meisten Spiele benötigen mehrere Teilnehmer, es entstehen Gruppen von Eingeweihten, Trainingsgemeinschaften. Ausserdem werden die Regeln festgelegt, der spontane Charakter geht verloren. (vgl. Caillois , S. 47ff).

Während also Caillois das Spiel selbst zwischen die beiden Pole « natürliche Bewegung » und disziplinierte Bewegung aufspannt, ist der sogenannte Spieltrieb bei Schiller die Vermittlung zwischen den beiden Polen. Im Idealfall wird dabei ein Zustand erreicht, den Schiller « ästhetisch » nennt. Das Spiel ist wichtig im Leben, denn indem es mit Ideen in Gemeinschaft kommt, verliert alles Wirkliche seinen Ernst, weil es klein wird, und indem es mit der Empfindung zusammentrifft, legt das Notwendige den seinigen ab, weil es leicht wird (Schiller 1989, S. 57).

Es gibt Momente, in denen durch ein Spiel etwas « Wahres » oder « Bleibendes » ans Licht kommt, wo Erkenntnis möglich wird. Dieses «Bleibende » nennt Gadamer in seiner Hermeneutik ein Gebilde. Es ist, so wie die Metapher, dadurch gerechtfertigt, dass es nur genau so, wie es ist, sein, und nicht anders beschrieben werden kann.

Für den Spielenden ist das Spiel nicht Ernstfall, gerade deshalb wird es gespielt. Es hat einen eigenen Bezug zum Ernsten. Es wird gespielt um des « Ernstes fähig » zu sein(Aristoteles 1969, S. 287), also um der Erholung willen. Damit das funktioniert, muss im Spielen « selbst ein eigener, ja, ein heiliger Ernst gelegen sein. Und doch sind im spielenden Verhalten alle Zweckbezüge, die das tätige und sorgende Dasein bestimmen, nicht einfach verschwunden, sondern kommen auf eigentümliche Weise zum Verschweben. [...] Die Seinsweise des Spiels lässt nicht zu, das sich der Spielende zu dem Spiel wie zu einem Gegenstande verhält. Der Spielende weiss wohl, was Spiel ist, und dass, was er tut, nur ein Spiel ist, aber er weiss nicht, was er da weiss (Gadamer 1965, S. 108).

Realisation :

Aus meiner Sicht als Kunstschaffende Die Spiele, welche in Zusammenarbeit mit dem Sportlehrpersonal und den Studierenden entstehen, beziehen sich auf die fundamentalen Regeln des Spiels, welche der Französische Soziologe Roger Caillois folgendermassen definiert.

Eine freie Betätigung, ohne Zwang

Eine abgetrennte Betätigung innerhalb genauer Grenzen von Raum und Zeit

Eine ungewisse Betätigung, Ablauf und Ergebnis stehen noch nicht fest.

Eine unproduktive Betätigung, es schafft weder Güter, noch Reichtum, am Ende des Spiels ist wieder alles so vie vorher.

  • Eine geregelte Betätigung mit eigenen Gesetzen
  • Eine fiktive Betätigung, die in einer Paralellwelt geschieht.

Caillois nennt als Grundlagen des Spiels :

  • Agon (Wettkampf)
  • Alea (Zufall)
  • Illinx (Rausch)
  • Mimikry (Maskierung)

Spiele :

  1. « Dr blau stei « (Orientierungslauf « (Geschichte vom blauen Stein in Visp) von Margarete Jahrmann, « game art » (,,,,,,, !!!!
  2. Sound- Karaoke-Parcour (Walliser Sagen)von Christoph Fellay, Musiker (,,,,,,, !!!!!
  3. « Lamilaliggu » Mikado (Integrationsgeschichte) von Beat Albrech Schauspieler
  4. « (Spielname ?)Bumerang (Geschichte vom Salzkönig Stockalper) von Yan Duyvendak, Performer
  5. Physical game (Geschichte : zwild mannij) von Gregg Smith, Videoart