Mirabilia

2025
galleria graziosa giger

Die Ausstellung mit neuen Aquarellen und Mischwesen von Maria Ceppi ist ein grosses Vergnügen. Ihre Objet Cultes und Skulpturen schaffen in ihrer Entnormung eine Befreiung der Augen, während die Aquarelle den Betrachtern ein sinnliches Fest bereiten. Das Element Wasser trägt die Farben und bestimmt den Formprozess – und schon können wir in einer pinken oder gelben Submarine durch eine schillernde Unterwasserwelt streifen.

Die Objektwesen zeugen von Humor. Das Surreale ist wie bei Meret Oppenheim hintergründig und pflegt auch hier eine Beziehung zum Unterbewussten. Das Spiel mit Ambivalenzen hat Methode. Maria Ceppi meistert die Auflösung von Grenzen und Hierarchien ungezügelt, sie vermischt Natürliches mit Künstlichem und bietet uns eine Kunst an, die der Automatisierung entgegenwirkt. Die Verkoppelung ganz unterschiedlicher, wesensferner Elemente verhindert die Gewöhnung, dem Sehorgan allein wird die Erkenntnis überlassen, was gemäss Viktor Schklowski der eigentliche Gegenstand der Kunst ist. So dürfen wir uns bei den Objektinstallationen ganz auf die Formen einlassen und die Artefakte, aus denen die Objekte zusammengesetzt sind, vergessen.

Auf den Aquarellen wird das Verschmelzen, Zerfliessen sichtbar, sie sind das malerische Pendant und Ausgangspunkt der verrätselten Mischwesen: vom zarten Wasserfluss (chute d’eau) über floral anmutende Samenkapseln (VerTige) bis zur orgiastischen Körperlichkeit (french kiss). Dabei verführen die herrlich blumigen Farben wie auch die nicht klar zuordbaren, aber doch vertraut wirkenden Formgebilde. Am Ende zerfliessen sogar die Frisiertische in Bronze in patent surrealistischer Manier. Maria Ceppis Kunst lässt uns mit Leichtigkeit in den hellgrünen Mai tanzen.

Christine Pfammatter

Photo © Thomas Andenmatten Brig, Ch
Photo © Thomas Andenmatten Brig, Ch
Photo © Thomas Andenmatten Brig, Ch